“Und wie fing das alles an?”

Coronazeit ist auch Familienzeit. Mein Sohn hat sich daran gewöhnt, dass sein Vater Bücher schreibt. Er ärgert sich nur, dass er »Shevon« noch nicht lesen darf.

»Wie hast du mit den Geschichten eigentlich angefangen?«, fragte er neulich. Ich ging ins Dachgeschoss und blies von dicken Büchern Staub ins Zimmer … nein. Aber eine Weile musste ich schon graben nach der alten grünen Mappe, die nur noch aus Gewohnheit zusammenhält.

Darin lagern sie, die selbstgemalten Comics aus Kindertagen. Fünfzig Blätter A3-Umweltschutzpapier aus dem Eine-Welt-Laden, bemalt mit ich weiß nicht wie vielen Packungen Filzstiften. Stundenlang saßen mein bester Freund und ich zusammen. Fuhr einer in den Urlaub, gab es schriftliche Updates per Post, denn natürlich musste auch bei Großmutter weitergemalt werden.

In der ersten Serie ging es noch um finstere Verbrecher und die rührende Geschichte eines Waisenjungen, der es zum Besitzer einer geheimen Insel bringt. (Die Karte passte ganz zufällig genau auf die Seite eines A5-Schulheftes.) Die Helden und Schurken des Werks trugen Hasenzähne und Robbennasen, ein Pferd gab den Arzt und ein Schwein den Bürgermeister.

Dann fiel mir der Herr der Ringe in die Hände und eine moderne Welt mit Schusswaffen und Motorbooten erschien auf einmal banal und farblos. Eine neue Comicserie musste her, größer und epischer und … jedenfalls ganz anders. Keine Schweine, Pferde und Robben bevölkerten mehr die neuen Inseln, sondern … nun … Igel, Mäuse und Pelikane. Und ein finsterer Greifvogel in einer Burg, die Saurons Festung erstaunlich ähnelte.

Die Tiere sind längst Geschichte, die finstere Burg ist einem ziemlich bröckeligen Berg gewichen und meine Welten werden von ganz normalen und oft nicht gerade ehrbaren Menschen bevölkert. Aber dass die alten Geschichten nach so vielen Jahren doch noch einen begeisterten Leser gefunden haben, ist eines der ganz wenigen guten Dinge an der Coronakrise.